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MAN-NAM II

für Altflöte und Streichtrio (1977/85)



Die Originalfassung von MAN-NAM für Klarinette und Streichtrio komponierte Younghi Pagh-Paan im Jahr 1977. Es ist das zweite vollgültige Werk, das die Komponistin nach ihrer Übersiedlung in Deutschland schuf. Im Mai 1978 wurde es in Freiburg uraufgeführt. Eine Version für Altflöte und Streichtrio entstand 1985 für Pierre-Yves Artaud. 

Zu dieser Fassung schreibt die Komponistin:

Ich denke, dass ein hochexpressives und biegsames Instrument wie die Altflöte meine musikalischen Absichten ebenso gut verteidigen kann wie die Klarinette. Diese Fassung für Altflöte kam im Januar 1986 in Paris erstmals zur Aufführung. Der Komposition MAN-NAM (Begegnung) liegt eine besondere musikalische Idee zugrunde: Erst um die letzte Jahrhundertwende wurde das koreanische Volk mit europäischer Musik konfrontiert, und zwar durch einen deutschen Kapellmeister. Es handelte sich dabei vorwiegend um Militärmusik. Seither stehen wir - auch in unserer Ausbildung - in einem dauernden Konflikt zwischen unserer traditionellen asiatischen Musikkultur und der europäisch-amerikanischen, die im Laufe der Zeit mehr und mehr an Übergewicht gewonnen hat. In MAN-NAM (Begegnung) habe ich versucht, die Begegnung der beiden Kulturwelten zu gestalten, um den Kulturschock in mir selbst zu überwinden. Das Stück wurde angeregt durch ein koreanisches Gedicht der Dichterin Sa-Im-Dang Sin (16. Jh.), das sie in chinesischer Schrift niederschrieb. Einige chinesische Schriftzeichen daraus habe ich als Symbole über die einzelnen Teile der Komposition gesetzt. MAN-NAM gliedert sich in vier Teile, von denen der dritte mit einer Violoncello-Kadenz in den letzten übergeht. Im ersten Teil versuche ich zögernd, meine Angst zu überwinden. Der zweite Teil ist eine Flucht in die schützende Einsamkeit der Berge. Im dritten Teil wird der quälende Kampf, der durch den Kulturschock in mir ausgelöst wurde, ganz nach vorne getragen. Der abschließende vierte Teil wendet sich stärker der koreanischen Tradition zu. (Das Violoncello z.B. spielt ausschließlich Pizzicati und deutet damit den Klang zweier koreanischer Trommeln an.) Die Musik gewinnt ihre eigene Mitte und ruhige Festigkeit: Versöhnung.

Younghi Pagh-Paan (1977)



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